Stellungnahme bzgl. der Äußerungen von Herrn Nikolaus Kowall

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Der Dachverband der Serben in Österreich als Dachorganisation serbischer Vereine in Österreich bringt hiermit seinen schärfsten Protest gegen die Äußerung von Herrn Nikolaus Kowall in der Sendung „Das Gespräch mit Susanne Schnabl“ zum Ausdruck. In dieser Sendung führte er als Beispiel für misslungene Integration den Fall eines Buben serbischer Herkunft an, der sich geweigert haben soll, ein Museum zu betreten, weil dort eine Regenbogenflagge angebracht war.
Wir halten es für äußerst unangemessen und politisch unverantwortlich, die komplexen Integrations- und Bildungsherausforderungen in Österreich am Beispiel eines minderjährigen Kindes zu veranschaulichen und dabei dessen Herkunft im Kontext der Problemursache besonders hervorzuheben. Ein solcher Zugang stellt eine gefährliche Generalisierung dar und trägt zur Verbreitung von Stereotypen bei, die in der österreichischen Gesellschaft offenbar noch immer weit verbreitet sind – offenkundig sogar innerhalb der SPÖ. Dies ist umso besorgniserregender, als diese politische Kraft sich deklarativ dem Kampf gegen Diskriminierung, Stigmatisierung und dem Abbau von Vorurteilen verpflichtet fühlt.
Integration ist ein vielschichtiger gesellschaftlicher Prozess, für den in erster Linie politische Entscheidungsträger Verantwortung tragen – nicht minderjährige Kinder und auch nicht eine einzelne Minderheitengruppe. Die Verantwortung für etwaige Misserfolge der österreichischen Integrationspolitik am Beispiel eines einzelnen Schülers festzumachen und damit implizit einer gesamten Gemeinschaft zuzuschreiben, stellt eine unzulässige Vereinfachung dar. Es lenkt von strukturellen Versäumnissen ab und bedeutet ein Ausweichen vor Verantwortung – insbesondere seitens einer Partei, die in diesen Prozessen in den vergangenen 60 Jahren maßgeblich mitgestaltend tätig war.
Als Vertreter der serbischen Gemeinschaft können wir nur mit Bedauern feststellen, dass Integrations- und Bildungsfragen in Österreich zweifellos erfolgreicher gelöst werden könnten, wenn die Entscheidungsträger auch jene Teile der Gesellschaft in die Lösungsfindung einbinden würden, die von diesen Entscheidungen unmittelbar betroffen sind – anstatt Einzelfälle zur öffentlichen Stigmatisierung heranzuziehen. Die serbische Gemeinschaft in Österreich ist die zahlenmäßig größte, gut integriert und gesellschaftlich sehr aktiv und trägt seit vielen Jahren durch zahlreiche engagierte Einzelpersonen und Vereine wesentlich zum wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, sportlichen und kulturellen Leben Österreichs bei. Dennoch ist die Gemeinschaft weder systematisch in Entscheidungsprozesse in den Bereichen Integration und Bildung eingebunden noch an einschlägigen Projekten beteiligt – nicht einmal in beratender Funktion. Daher ist, Herr oder Genosse Kowall, mehr als deutlich, wer die Verantwortung trägt.
Der Bund der Serben in Österreich fordert die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) sowie die Vertreter der serbischen Gemeinschaft innerhalb der österreichischen politischen Parteien auf, sich klar und unmissverständlich von der genannten Äußerung zu distanzieren. Darüber hinaus erwarten wir eine öffentliche Entschuldigung von Herrn Kowall für die unangemessene Generalisierung und Stigmatisierung.

Mit freundlichen Grüßen,
Dachverband der Serben in Österreich

Wien, am 12.02.2026

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