Brief an Nationalratspräsident Dr. Walter Rosenkranz bzgl. des Fotografierens mit einer Vertreterin des sog. „Kosovo“ mit Barett samt UCK-Symbol im Nationalrat Österreichs

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Wien, am 17. Februar 2026

An den Präsidenten des Österreichischen Nationalrats,
Herrn Dr. Walter Rosenkranz

 

Sehr geehrter Herr Nationalratspräsident Dr. Rosenkranz,

Im Namen des Dachverbandes der Serben in Österreich bringen wir unsere tiefe Erschütterung und unseren ernsthaften Protest über Ihr heutiges Fotografieren mit der UN-Sonderbotschafterin des guten Willens des sogenannten „Kosovo“ beim Internationalen Komitee für Menschenrechte zum Ausdruck – und das nur einen Tag, nachdem Sie bei der Veranstaltung zum Nationalfeiertag der Republik Serbien in Wien die Bedeutung guter österreichisch-serbischer Beziehungen betont haben. Dieser Widerspruch zwischen Ihren öffentlichen Aussagen einerseits und Ihrem Handeln im Nationalrat andererseits hat große Verwirrung und tiefes Unverständnis innerhalb der serbischen Gemeinschaft in Österreich ausgelöst – insbesondere vor dem Hintergrund, dass der offizielle Standpunkt Ihrer Partei lautet, dass Kosovo und Metochien Teil der Republik Serbien sind, wie es auch die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates sowie die Charta der Vereinten Nationen bestätigen.

Obwohl die serbische Gemeinschaft in Österreich die Aussagen und das Engagement einzelner Ihrer Parteikollegen zur Wahrung der territorialen Integrität Serbiens zweifellos begrüßt, steht Ihr Akt des Fotografierens mit der Vertreterin des sogenannten „Kosovo“, die ein Barett mit dem Symbol der terroristischen Organisation „Befreiungsarmee des Kosovo“ (UÇK) trägt, im Widerspruch zu den Prinzipien und Werten, die wir vom österreichischen Nationalrat erwartet haben – ebenso wie zu Ihrer Rede, die Sie nur einen Tag zuvor anlässlich des Nationalfeiertags der Republik Serbien gehalten haben.

Der Dachverband der Serben in Österreich sieht es als seine Pflicht an, Sie daran zu erinnern, dass die sogenannte UÇK in den Jahren 1996–1999 für zahlreiche terroristische Handlungen verantwortlich war, darunter nicht nur Anschläge auf legale Vertreter der Polizei, sondern auch auf die Zivilbevölkerung, Entführungen, Folterungen sowie Angriffe auf serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster. Allein bis Dezember 1998 verübte sie 1.845 terroristische Anschläge, bei denen überwiegend Zivilisten Ziel der Angriffe waren. Nach Anklageschriften des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag wurden mehr als 300 Serben entführt und in das sogenannte „Gelbe Haus“ in Nordalbanien gebracht, wo ihnen Organe zum Zwecke des Verkaufs entnommen und die Opfer anschließend getötet wurden. Der Dachverband der Serben erinnert Sie als den Präsidenten des Österreichischen Nationalrats daran, dass die UÇK im Juni 1999 an der Vertreibung von mehr als 250.000 Serben aus dem Kosovo beteiligt war. Zudem erinnern wir daran, dass auch serbische Mönche sowie serbisch-orthodoxe Sakralbauten Ziel dieser terroristischen Organisation waren. Die Zerstörung der kulturell-religiösen Spuren der Serben im Kosovo durch diese „Organisation“ begann mit dem Beschuss des serbischen Klosters Zočište aus dem 14. Jahrhundert, wobei sieben Mönche und 28 Zivilisten entführt wurden. Allein im Jahr 1999 wurden mit direkter oder indirekter Unterstützung der UÇK 76 serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster zerstört, von denen die meisten zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert errichtet worden waren. (bis März 2004 wurden insgesamt 150 Kirchen und Klöster zerstört!)

In diesem Zusammenhang stellen wir Ihnen die Frage, ob Sie der Ansicht sind, dass das Barett einer solchen „Organisation“ im Österreichischen Nationalrat einen Platz haben sollte, ob der Nationalrat ein Ort sein darf, an dem Symbole einer derartigen terroristischen Organisation präsentiert werden, und ob eine Person, die die Institution des österreichischen Parlaments in perfider Weise missbraucht, überhaupt einen Platz in diesem ehrwürdigen Gebäude haben sollte.

Angesichts der tiefen Verletzung und Besorgnis, die die serbische Gemeinschaft in Österreich – die mehr als 300.000 Menschen zählt – aufgrund dieses Vorfalls empfindet, fordert der Dachverband der Serben in Österreich als Dachorganisation serbischer Vereine in Österreich von Ihnen, sehr geehrter Herr Nationalratspräsident Dr. Rosenkranz, eine klare und unmissverständliche Antwort auf diese Fragen. Zugleich erhoffen wir uns, dass Sie sich öffentlich von dieser terroristischen Organisation distanzieren werden, deren Führungspersonen unter anderem wegen zahlreicher Kriegsverbrechen, Menschenhandels und Organhandels angeklagt sind.

 

Hochachtungsvoll,
Dachverband der Serben in Österreich

Foto: Elvana Shala

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