Anlässlich der Versammlung der albanischen Diaspora, die am Sonntag, dem 20. September 2026, in Wien stattfand und bei der gegen das Urteil der Kosovo-Sondergericht in Den Haag protestiert wurde, bringt der Dachverband der Serben in Österreich seine tiefe und berechtigte Besorgnis zum Ausdruck. Mit diesem Urteil wurden der ehemalige Präsident des sogenannten „Kosovo“, Hashim Thaçi, sowie drei weitere frühere Anführer der sogenannten „Befreiungsarmee des Kosovo“ wegen Kriegsverbrechen verurteilt, die in den Jahren 1998 und 1999 begangen wurden und denen auch Serben zum Opfer fielen.
Die serbische Gemeinschaft nahm mit großer Beunruhigung wahr, dass verurteilte Personen öffentlich verherrlicht, antiserbische Botschaften verbreitet und Symbole des sogenannten „Großalbanien“ gezeigt wurden, mit denen territoriale Ansprüche gegenüber mehreren souveränen Staaten der Region zum Ausdruck gebracht werden. Besonders besorgniserregend ist, dass eine derartige Versammlung mitten im Zentrum Wiens und in unmittelbarer Nähe zu den höchsten Institutionen der Republik Österreich stattfinden konnte.
Die Serben in Österreich sind weder eine vorübergehende noch eine gesellschaftlich marginale Gemeinschaft. Rund 300.000 Menschen serbischer Herkunft leben in diesem Land. Viele von ihnen sind österreichische Staatsbürger, gründen und erziehen hier ihre Familien und betrachten Österreich zu Recht als ihre Heimat. Seit Generationen leisten sie als Arbeitnehmer, Unternehmer, Ärzte, Wissenschaftler, Künstler, Sportler und verantwortungsbewusste Bürger einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen, medizinischen, wissenschaftlichen, kulturellen, sportlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Österreichs. Gerade deshalb erwarten wir, dass ihre Besorgnis ernst genommen wird und dass die serbischen Opfer denselben Respekt und denselben institutionellen Schutz erfahren wie alle anderen Opfer.
Der Dachverband der Serben in Österreich erinnert daran, dass hochrangige österreichische Amtsträger und Abgeordnete des Europäischen Parlaments erst kürzlich unmissverständlich betont haben, dass die Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher mit den grundlegenden Werten der Europäischen Union unvereinbar ist, einen Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Familien darstellt und humanistischen sowie europäischen Grundwerten widerspricht. Diese Grundsätze müssen universell gelten – unabhängig von der Nationalität der Täter und ebenso unabhängig von der Nationalität der Opfer.
Von den zuständigen Bundesinstitutionen der Republik Österreich, der Stadt Wien und den Vertretern der parlamentarischen Parteien verlangen wir daher keine bevorzugte Behandlung, sondern Konsequenz und Gleichbehandlung. Wir erwarten eine klare und unmissverständliche öffentliche Verurteilung jeder Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher und antiserbischer Botschaften, die gleichberechtigte Anwendung politischer, moralischer und rechtlicher Maßstäbe auf sämtliche Formen von Hassrede und kriegstreiberischer Symbolik, eine entsprechende Prüfung durch die zuständigen Behörden, ob im Rahmen der Versammlung gegen österreichische Rechtsvorschriften verstoßen oder die öffentliche Ordnung gefährdet wurde, sowie einen direkten Dialog mit den Vertretern der serbischen Gemeinschaft über geeignete Maßnahmen zur Wahrung des Sicherheitsgefühls, des gegenseitigen Respekts und des friedlichen Zusammenlebens in Österreich.
Schweigen in einer solchen Situation könnte als Ausdruck doppelter Standards verstanden werden. Deshalb erwarten wir eine zeitnahe und eindeutige institutionelle Reaktion. Österreich ist als Rechtsstaat und als Staat, der sich zu den europäischen Werten bekennt, verpflichtet zu zeigen, dass die Würde der Opfer nicht selektiv behandelt werden darf und dass die nationale Zugehörigkeit niemals darüber entscheiden darf, wessen Leid einer öffentlichen Verurteilung und des institutionellen Schutzes würdig ist.
Der Dachverband der Serben in Österreich bleibt dem Dialog, der demokratischen Ordnung und den guten Beziehungen zwischen allen in Österreich lebenden Gemeinschaften verpflichtet. Zugleich werden wir das Recht der serbischen Gemeinschaft auf Gleichbehandlung, Sicherheit und die Achtung ihrer Opfer mit Nachdruck vertreten.
Wien, 21.09.2026,
Dachverband der Serben in Österreich